Israel Teil 2

Es ist schon ganz schön verrückt!

Wir, 15 SchülerInnen aus dem Beruflichen Gymnasium, waren doch gerade erst in Israel. Und nun ist der Rücktausch schon wieder Geschichte und wir waren die Gastgeber im EE-Kreis!

Am 19. Mai begann mit einem straff geplanten Berlin-Tag der 2. Teil des Austausches. Hier setzte sich fort, was vor Ostern begonnen hatte: wir lernten uns in ganz anderen Zusammenhängen kennen. Waren es in Teil Aviv und Umgebung eher die fröhlichen Annäherungen an die jeweils anderen Schüler, die Großstadt und die für uns so neuen Eindrücke, war es jetzt hier das Treffen mit Bekannten, die plötzlich jenseits von Hochhäusern und Straßenverkehr viel Grün, Wasser, Ruhe erleben konnten.

Es war schon beeindruckend, als am ersten Tag die Schüler des Gymnasiums gemeinsam mit einigen Lehrern zur Begrüßung "Shalom chaverim" sangen und die Überraschung den zwei Jahre jüngeren Israelis im Gesicht stand. Eigentlich wich diese Überraschung auch in der ganzen Woche nicht, denn wir hatten alles im Programm, was unsere Region ausmacht. Zwischen Pellkartoffeln mit  Quark und Leinöl, einer (verregneten) Schlauchboottour auf der Elster, einer Rundfahrt durch den Landkreis mit Empfang beim Landrat, der  Führung durch die Brikettfabrik "Luise", dem Puppentheaterspiel im Schloss Doberlug-Kirchhain  bis hin zu Jeeptour und Abseilen an der F60 Lichterfeld war alles dabei.

Der klare Höhepunkt für uns war die Durchführung einer Gedenkzeremonie zur Erinnerung an die Opfer des „Verlorenen Transportes“ in Tröbitz. Nach dem Besuch der Gedenkstätte am Kilometer 101,6 bei Langenaundorf fanden wir uns auf dem jüdischen Friedhof zusammen, hatten Texte und Lieder ausgewählt, die in drei Sprachen  vorgetragen wurden (Englisch, Hebräisch, Deutsch).

Als wir alle  am Ende gemeinsam die "Ha Tikva" sangen, spürten wir die Hoffnung (so der Titel der Nationalhymne), dass sich endlich die Menschheit besinnt und sich niemals wieder solche Erlebnisse in die Gedächtnisse einprägen müssen wie Holocaust, Flucht und Vertreibung. Nie und nirgends!

Wir zeigten unseren Gästen das "real life" im Brandenburger Süden, und so ganz einfach war es wohl nicht zu verstehen, dass der Bus eben um 7 fährt und nicht 10 Minuten später der nächste, dass die Entfernung von Bad Liebenwerda bis Schlieben eben nicht nur ein Katzensprung ist und dass man morgens durch Vogelgezwitscher wach wird und nicht durch hupende Autos, wenn man denn in der Nacht überhaupt geschlafen hat. Das war selbst in Berlin so, denn die Jugendherberge am Wannsee lag genauso im Grünen und sollte ein Ruhepol sein für die vollen Programme am Tag. Zwischen "Final Escape" und  selbstgemachter  Stadterklärung, dem  Besuch des Centrum Judaicums , einem Workshop zu den "Engeln der Vergangenheit" nach der Führung im Haus der Wannseekonferenz oder dem Besuch des Reichstages mit seiner wechselvollen Geschichte waren die beiden Tage gut gefüllt, nicht ohne den jungen Israelis Zeit zum Kofferfüllen zu geben.

Berlin bietet viel, Dresden auch, allerdings dort leider sehr viel Regen. Dennoch beeindruckte die Frauenkirche wie die ganze Stadt zwischen Zerstörung und Wiederaufbau.

Es waren anstrengende Tage, doch das Feedback am Ende zeigte klar: Bei allen Unterschieden durch Alter, Herkunft und Lebensgefühl: es war eine Erfahrung, die wohl keiner der Teilnehmer missen möchte. Die Freundschaften  werden bleiben, die Neugier auf andere Menschen und Länder ebenso und voneinander gelernt haben wir allemal mehr als "Sababa" und "Shalom": wir leben jetzt und hier und damit wir das auch weiter im Frieden tun können, sind Verstehen und Kennen eine der wichtigsten Voraussetzungen.

Danke für diese Erfahrung und Danke allen, die uns diese  ermöglicht haben:

Förderverein für Berufliche Bildung Elbe-Elster-e.V., Conact Wittenberg und MBJS, Landkreis Elbe-Elster, Rotary-Club Herzberg, Harold-Bob-Stiftung, Stadt Falkenberg, Kommunalverband Bad Liebenwerda, LIONS -Club Finsterwalde-Niederlausitz (Frauen), Frau Dr. Broszinski, Eisdiele LEIBNITZ, dem Büro von Herrn Michael Stübgen (CDU) sowie allen LehrerInnen des Gymnasiums, die mitgefiebert und unterstützt haben.

 

Wolf-Hensel

betreuende Lehrkraft