Bahnkilometer 101,6

Es war ein nasskalter Morgen an diesem 9. November 2019. An einer Lichtung nahe „Beutersitz
Bahnhof“ trafen sich Schüler des Seminarkurses vom Falkenberger Beruflichen Gymnasium mit Herrn
Quick, Herrn Claus und ihren Lehrern, um in einer Zeremonie den Verstorbenen des „Verlorenen
Transportes“ zu gedenken. Den Menschen jüdischen Glaubens, die während des Transportes von
Bergen-Belsen nach Theresienstadt den Folgen von Krankheiten und Schwäche nach jahrelangem
Aufenthalt im KZ in den Waggons des Zuges erlegen sind, wurde in den 80er Jahren am
Bahnkilometer 101,6 ein Denkmal gesetzt .
Für die jungen Leute war es nach dem Aufenthalt in Israel (wir berichteten) und dem Besuch in der
Gedenkstätte „Yad Vashem“ (übersetzt: „Ein Name und ein Ort“) ein Bedürfnis, ihr
Seminarkursprojekt mit der Erinnerung an die Opfer zu verbinden. Schon im April gab es eine
bewegende Zeremonie auf dem Tröbitzer jüdischen Friedhof – ein Anlass für die „Offiziellen“, die
jungen Leute ins Boot zu holen, wenn sich das Öffnen des Zuges 2020 zum 75. Mal jährt.
So gedachten sie gemeinsam mit den Gästen den Opfern, die zunächst dort bestattet wurden, indem
sie ihre Namen mit Herkunftsort und Alter verlasen, mit einem Zeitzeugenbericht, Texten und
Gebeten bei ihnen waren aber auch mit dem Gesang der „Hatikva“ (übersetzt: Hoffnung) ihrer
Hoffnung eine Stimme gaben, dass nie wieder Menschen ihrer Herkunft oder ihres Glaubens wegen
Opfer von Gewalt und Vernichtung werden. Wir Teilnehmer lernten viel und waren beeindruckt von
dem, was und wie Erin, Lucy, Leona, Elora und Lukas diese Gedenkzeremonie zelebrierten.
In Vorbereitung der Gedenkfeierlichkeiten im April kommenden Jahres werden die Jugendlichen in
der Arbeitsgruppe mitarbeiten und ihre Ideen einbringen können. Und auch wenn es gerade in die
Abiturzeit fällt: ihre Teilnahme und Mitwirkung ist sicher.
Eine Stunde der Erinnerung am Tag der Reichspogromnacht – ein wichtiger Anlass des Gedenkens.

Ute Wolf-Hensel